6
Nov
2014

Der Puck

Man muss hier eine Lanze brechen für die Reclam-Bändchen mit zeitgenössischer Literatur. Ob Bichsel (mit Raritäten im Band "Stockwerke"), Artmann oder Gerhard Meier: Alles alles wunderbar. Am wunderbarsten fast "Der Puck" von Hermann Burger, post mortem 1989, von Adolf Muschg klug kommentiert, herausgegeben. Begleiten Sie die "Leser auf der Stör". Die Leser auf der Stör sind hilfreiche Menschen, die wie Klavierstimmer herrschaftliche Villen heimsuchen und den Herren und Damen des Hauses die Lektürearbeit abnehmen. Oder lassen Sie sich begeistern von der "Wasserfallfinsternis von Badgastein", einem von Burgers perfektesten Texten. Der Zauberer und Worterfinder Burger bleibt dabei immer nahe an meinem Herzen, nichts ist da gekünstelt oder papierern (man wirft ihm das zuweilen vor... der Teufel weiss wieso.) Die Titelgeschichte "Der Puck", das "Eismärchen", eine Verwandlung in Ovid'scher Schönheit müssen Sie lesen! Versprechen Sie mir das?

Burger, Hermann: Der Puck. Reclam, 1989 .

Die Häuser abgebrochen, die Gärten zugeschüttet.

Insassen

Natürlich habe ich dies Buch aus dem kleinen Rauhreif-Verlag auch Jahre nach dem Erscheinen noch in der Buchhandlung Kaligramm im Zürcher Niederdorf gefunden. Wo denn sonst? ---- Texte von Christine Trüb haben mich über Jahre begleitet. Regelmässig schrieb sie in der Wochenend-Beilage der NZZ auf der wunderbaren Panoramaseite mit literarischen Texten: ein papierener Teppich, der mich über Sams- und Sonntage trug (Religionsersatz-in den 90ern - leider, leider abgeschafft, weil's nicht rentierte...). Hier ist Trübs Erstling u.a. mit dem wundersamen Text "Insassen" und dem Schauplatz Bellelay im Jura. Ein Kind trifft die "Gemütskranken" der Anstalt, einem ehemaligen Kloster. Der Rest der Welt bleibt ihm verwehrt; die Gehöfte der Bauern der Umgebung wird die Erzählerin erst als Erwachsene sehen. Gespiegelt und gebrochen ist der Zauber in einer Sprachwelt behutsamer Wahrnehmung des Kleinsten, Unbedeutensten. Verwandt ist das schmale Buch mit den Werken anderer Schöpfer "kleiner Literatur" Gerhard Meier und Robert Walser etwa. Walser Schwester Lisa war ja auch tätig in der Anstalt Bellelay, man erinnert sich während der Lektüre an Simon Tanners Spaziergang. Christine Trüb webt den Stoff weiter...

Trüb, Christine: Die Häuser abgebrochen, die Gärten zugeschüttet. Rauhreif, Möhlin und Villingen, 1996 . ISBN: 3-907764-26-9.

2
Nov
2014

Buchvernissage "Solothurner Lesebuch"

Solothurner_Lesebuch

Mittwoch, 05.11.2014, 20:00 Uhr im Buchhaus Lüthy, Solothurn

Buchvernissage "Solothurner Lesebuch"

Ein neues und vielfältiges Lesevergnügen für und über die Stadt Solothurn. Es lesen: Elisabeth Pfluger, Felix Epper und Reto Stampfli. Erschienen im Kulturbuchverlag herausgeber.ch, Bern. sFr. 34.00

Anagramm-Bild*

Bevor sich die Buchstaben wieder in blauem Dunst auflösen.

Anagramm_Raucher

* Anagramme sind Buchstabenversetzspiele. Jedes Zeichen der Ausgangszeile, auch "Programma" genannt, muss in jeder weiteren Zeile wieder erscheinen.

24
Okt
2014

Beitrag in der Wochenzeitung

Woz_23_10_14

5
Okt
2014

Tagebuchschnippsel (Sonntag)

Heute gearbeitet und darum noch nicht erledigt: Wäsche bügeln, Küche aufräumen, kochen, mit den Fingern durch die roten Linsen fahren, bevor man sie aufsetzt, Apfelmus einmachen, Krafttraining, Abendspaziergang, Lesen, Feierabendbier, -tee, -wein. Was fehlt an so einem Sonntag: Kirche, Familie, mit dem Rad durch den Regen, DU, der schwungvoll selbst gemahlene Kaffee...

Dafür letzte Woche: Pilze gesammelt mit Tim, ein Feuer im Wald, Tausend Schritte über Hügel und Felder. Da ein Tee und dort ein Glas Wein. So gut. So weit. So leider vorbei.

Heute noch erledigen: Nach draussen unter Regenwolken. Diese Linsen. Schlafen. Keine Träume.

28
Jul
2014

Stadtbrachen

Garten1
Wo bis vor kurzem Leben blühte, man bei milden Temperaturen schwatzte, Fleisch aufs Feuer legte und Gläser füllte, seinen Schrebergarten harkte, pflückte, jätete und sich Kinder Beeren in den Mund schoben, starren verbrannte Balken, Splitter von Glas klirren unter den Füssen, Brombeeren wuchern und vergessenes Spielzeug bleicht vor sich hin. Traurig sind sie, die aufgegebenen Gärten. Die Sonne brennt heiss an diesem Julinachmittag, die Regentonnen wären gefüllt bis zum Rand, um das Gemüse zu wässern, aber niemand hat gepflanzt. Die Bäume und Sträucher haben getrotzt: Die frühen Äpfel sind da, die Himbeeren. Und Ringelblumen. Wir pflücken, die Wege trennen sich und finden sich wieder. Ich, der ich zum ersten Mal da bin, schaue, staune, es müsste ein Paradies für Kinder sein hier. Doch da ist keine Seele. Ein einziger älterer Mann betritt das Areal und sammelt ebenfalls Beeren. Ja, er hatte bis letztes Jahr hier seinen "Pflanzblätz", sagt er, und den Besitzern der Einfamilienhäuser habe das eben nicht so gefallen, der Lärm. Warum auch immer: Sie mussten alle gehen.
Garten3
Man könnte nun sagen, die "Natur" setze sich wieder in ihr Recht und lasse verschwinden, was der Mensch mit seiner "Kultur" ihr aufgezwungen. Bodenplatten springen auf, Dächer lecken, viele der kleinen Häuser wurden angezündet, man riecht noch den Russ, denkt an Krieg und Zerstörung und steht auf einmal vor diesem Weidenkorb, der sich von selber füllt, zuwächst. Schweigend verlasse ich dieses Niemandsland, berührt, traurig und werde wiederkommen, hoffentlich bevor der Bagerzahn den Boden aufwühlt… Garten2

19
Okt
2012

Wettbewerb: Geräusche schreiben

Wieder mal ein Wettbewerb der interessanteren Art... Anagramme ahoi ???
Wettbewerb

6
Mai
2011

Gebrochen fröhlich

Text zum 70. Geburtstag Bob Dylans, erschienen in der «Musikzeitung Loop», Zürich Mai 2011

covershot

Als meine Mutter im Sterben lag, fuhr ich jeden dritten Tag oder so am Morgen stundenlang Zug Richtung Osten und am Abend denselben Weg wieder zurück. Auf der Intensivstation des Spitals nahm ich jedes Mal stumm Abschied. Nur eine Frage der Zeit, bis die Nacht hereinbricht. Und nie wusste ich, ob sie noch verstehen konnte, was ich sagte… Ich hörte damals viel Radio auf meinen Wegen. Dylans “Theme Time Radio Hour” schien mir der richtige Trost: Nicht Ablenkung, sondern Tiefe. Dylan spielte seine meist obskuren Schallplatten und erzählte kurze Geschichten über die Bibel, das Rauchen, Schuhe, Amerika, das Zugfahren – das Trinken. Am liebsten ist mir auch jetzt noch die Show über das Trinken (u. a. mit herzergreifenden Liedern von Charles Aznavour und Mary Gauthier). Mama wüsste wieso. Inmitten der Lieder eine mit allen Wassern und Wässerchen gewaschene Stimme, ebenso fröhlich wie gebrochen, ebenso alt wie jung, die nur zu mir zu sprechen schien. Eine Anmassung, die ich mir gerne und unter Tränen erlaubte.
Aus “Chronicles” und Martin Scorseses Film “No Direction Home” wissen wir, wie wichtig das Radio für den jungen Bob Dylan gewesen ist, der die Musik, die er hörte, wie ein Schwamm aufgesogen hat. Natürlich hat es eine höchst ironische Note, dass uns Dylan mit seinen durchchoreographierten Radioshows eine vergangene Welt und Produktionstechnik vorgaukelt. Doch die Trauer über den Verlust einer wohl auch nur vorgestellten Ursprünglichkeit und Authentizität ist ein steter, leiser Unterton. War es aber mit seinen eigenen Songs je anders, die er 2001 in einem wunderbaren Spätwerk ganz offiziell unter das Motto “Love And Theft”, Liebe und Diebstahl, gestellt hat? Dylan ist ein Künstler, der durch keine kritische Analyse entzaubert werden kann, weil sein Werk von Anfang an als Synthese gedacht war. Ausser wir fragen den Mann auf der Strasse, welcher anstelle einer Antwort die Lippen hochziehen und näselnd “The answer my friend is blowing in the wind” singen wird. Honni soit qui mal y pense.
Allen noch nicht hartgesottenen Dylanhörern empfehle ich meine momentane Lieblingsplatte, die “Tell Ol' Bill Sessions” (Bootleg, 2005), auf der die Genese eines Songs – und was für ein Song! – wunderbar mitverfolgt werden kann und bei deren Hören ich mir immer wünsche, nicht nur schreiben, sondern auch spielen zu können.

Felix Epper, April 2011
Homepage Musikzeitung Loop

13
Jan
2011

LITERA10 LIEST

Donnerstag, 24. März 2011
20.00 Uhr
Kulturfabrik Kofmehl Solothurn

Lesung mit Musik

Litera10 – wehe, wenn sie losgeschrieben


Mit Silvano Cerutti, Jan Schneider, Guido Poliwoda, Felix Epper

http://www.felu.ch/bote_agenda.html
Night of the living dead

lieber epper als niemert

Betrachtungen. Manchmal Urteile.

Suche

 

Meine Kommentare

Kafkas Reisetagebuch,...
Kafkas Reisetagebuch, Paris, 11. September 1911. «Auf...
noemix - 4. Nov, 11:44
Merci beaucoup! A suivre...
Merci beaucoup! A suivre ici: https://epper.twoday.net/st ories/1022422362/
Epper - 23. Apr, 18:51
Bis vor kurzem war ich...
Bis vor kurzem war ich der festen Überzeugung, dieser...
froggblog - 2. Apr, 17:34
en printemps…
Lieber nicht leben wie der Panther. Diese pathetische...
froggblog - 14. Okt, 20:39

RSS Box

Credits

Status

Online seit 7933 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 8. Nov, 10:01

Impressum:

(c) aller Texte by Felix Epper, Gotthelfweg 5, 4500 Solothurn

Agenda
Anagramme
Angst
Aufsätze
Buchtipps
Château Mercier
Die Toten
Dylanologien
Gefunden
Jahrestage
Kulturpessismismus
Lipogramme
Lomo
Lyrik
Nachlese
Nachtmahre
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren